Industrielle 3D-Messtechnik

GOM
 
Verformungsmessung | Materialprüfung | Materialanalyse
Materialanalyse 
  
Nietverbindungen unter Belastung 
ARAMIS
 
Messsysteme: ARAMIS
 
Keywords: Verbundproben, Lastübertragung
 
Nietverbindungen haben sich im Leichtbau bewährt, um Aluminiumbleche miteinander und mit der Tragkonstruktion zu verbinden.

Um das neu ausgelieferte ARAMIS System bei AIRBUS in Bremen, Abteilung Testing Technology, in Betrieb zu nehmen, wurde deshalb von Herrn Torben Kluwe ein einfacher Test mit zwei aufeinander genieteten Aluminiumblechen (Werkstoff 3.1364-T3) aufgebaut.

Für die Messung wurde die Probe mit einer Sprühdose mit schwarz-mattem Acryl-Lack, mit nur leichtem Betätigen des Sprühknopfes eingesprüht, so dass ein kontrastreiches "Spritzmuster" auf dem Probenstück (Abb. 1) sichtbar ist.

 
Probe mit aufgesprühtem Raster vor dem ZugversuchProbe mit aufgesprühtem Raster vor dem Zugversuch
Abb. 1: Probe mit aufgesprühtem Raster vor dem Zugversuch. Die beiden Bilder zeigen den Überlappungsbereich der genieteten Zugprobe, vor der Belastung.
 
Die Probe wird in die Zugmaschine eingebaut, das ARAMIS-3D-System kalibriert und vor der Probe positioniert. Das Verschiebungsfeld der Probe und der Wert der jeweiligen Zugkraft sollen in regelmäßigen Bewegungsschritten (Zeitabständen) erfasst werden. Der Kraftwert ist damit dem entsprechenden Bilderpaar zugeordnet. Die Belastung der Probe erfolgt weggeregelt mit einer Geschwindigkeit von 1 mm/min.

Abbildung 2 zeigt das resultierende Belastungsdiagramm. Der Kraftrückgang kurz nach der 60. Stufe zeigt den Wechsel der Kraftübertragung von Reibschluß auf Formschluß (Lochleibung). Kurz nach der 80. Belastungsstufe versagt die Probe durch Abscheren der Niete. Die Bildaufnahme wurde vom ARAMIS System automatisch in gleichmäßigen Zeitintervallen vorgenommen. Synchronisiert mit den Aufnahmen wurde auch das jeweilige Kraftsignal der Prüfmaschine vom ARAMIS-System erfasst und protokolliert.

Die Verformung der Probe ist in der aufgenommenen Bildserie (Abbildung 3) sichtbar. Für ein vertieftes Verständnis dienen die graphisch dargestellten Messwerte. Dazu wurde das Koordinatensystem der Messdaten dem Messaufbau angepasst und die untere Kante des oberen Bleches als Nullpunkt der Bewegung definiert.

Sichtbar ist in Abbildung 4 die lokale Verschiebung der Niete zum Blech und die unsymmetrischen und nicht gleichmäßigen Verschiebungswerte auf dem Blech durch die aufgebrachte Last.

 
Zugkraft über alle 90 erfassten Laststufen
Abb. 2: Zugkraft über alle 90 erfassten Laststufen
 
Probe unter Belastung von 77 kNRelativverschiebung der Niete in Zugrichtung (Y-Verschiebung)
Abb. 3: Probe unter Belastung von 77 kN, Laststufe 60Abb. 4: Relativverschiebung der Niete in Zugrichtung (Y-Verschiebung)bei Laststufe 60
 
Durch Ausmaskieren der Niete wird die Verformung des Bleches anschaulich sichtbar. Typisch bei Zugversuchen mit genieteten Blechen ist eine Verkippung des Bauteils in Richtung der Z-Koordinate (Senkrecht zur Blechoberfläche). In vertikaler Richtung sind nur kleine Verschiebungen sichtbar.
  
 
Verschiebungsfelder der Laststufe 60 auf Laststufe 0 referenziert in Z-RichtungVerschiebungsfelder der Laststufe 60 auf Laststufe 0 referenziert in Längsrichtung (X)
Abb. 5: Verschiebungsfelder der Laststufe 60 auf Laststufe 0 referenziert, im linken Bild in Z-Richtung (senkrecht zur Blechoberfläche) und im rechten Bild in Längsrichtung (X).
 
Ein besseres Verständnis des Deformationsverhaltens kann oft aus der Darstellung der Dehnungen gewonnen werden.

In Abbildung 6 sind die abgeleiteten Verschiebungsfelder, also die gemessenen Dehnungsfelder, für Laststufe 80 graphisch dargestellt. Für die Berechnung der Dehnungswerte im linken Bild wurde eine kurze Basislänge von 0,57 mm verwendet, so dass lokale Dehnungsspitzen und Inhomogenitäten gut sichtbar sind. Für die Berechnung der Dehnungen im rechten Bild wurde eine Basislänge von 1 mm gewählt.

  
 
Hauptformänderung Laststufe 80, Basislänge 0,57 mmHauptformänderung Laststufe 80, Basislänge 1 mm
Abb. 6: Hauptformänderung Laststufe 80. Je nach Wahl der Basislänge (links: 0,57 mm, rechts: 1 mm) der Dehnungsberechnung werden lokale Dehnungsspitzen und Inhomogenitäten sichtbar dargestellt oder ausgemittelt.
 
In der Abbildung 7 (links) ist die Probe kurz vor dem Bruch (Laststufe 80) und im rechten Bild, nach dem Bruch, bei Laststufe 84, gezeigt.

Abbildung 8 zeigt die Dehnung in Zugrichtung kurz vor Versagen der Niete (Laststufe 80). Man sieht deutlich, dass sich im Bereich der unteren Nietreihe eine Druckdehnung und im Bereich der anderen Nietreihen eine Zugdehnung einstellt.

Die Bereiche der hohen Dehnung resultieren aus der Bauteilverbiegung.

 
Probe gegen Ende des Versuchs (Laststufe 80)Probe gegen Ende des Versuchs (Laststufe 84)
Abb. 7: Probe gegen Ende des Versuchs, mit gut sichtbarer Lokalisation der Nieten, links Laststufe 80 und rechts Laststufe 84, nach dem Nietversagen.
 
Graphische Darstellung der Dehnungsverteilung in Zugrichtung (Laststufe 80)Graphische Darstellung der Dehnungsverteilung in Zugrichtung (Laststufe 84)
Abb. 8: Graphische Darstellung der Dehnungsverteilung in Zugrichtung, links Laststufe 80, vor dem Versagen und rechts Laststufe 84, nach dem Nietversagen.
 
Sichtbar ist in Abbildung 8 die Dehnungsverteilung des Bleches kurz vor und nach dem Nietversagen. Auch hier ist auffällig, wie lokal die "plastische" Deformation auftritt.

In Abbildung 9 sind die Daten eines vertikalen, in Zugrichtung definierten Schnittes, auf der Bauteiloberfläche (Abb. 8) dargestellt. Auf diesem Bild sieht man deutlich den elastischen und plastischen Verformungsanteil.

Diese Messreihe wurde für die Inbetriebnahme des ARAMIS-Systems aufgebaut. Die Messung hat aber gezeigt, dass mit dem gewählten System innerhalb kürzester Zeit Messungen möglich sind, welche dem Anwender die Eigenschaften seiner Prüfteile anschaulich aufzeigen.

Mit freundlicher Genehmigung von AIRBUS Bremen, Testing Technology.

 
Plotdaten des Schnittes, kurz vor und nach dem Versagen
Abb. 9: Plotdaten des Schnittes, kurz vor und nach dem Versagen
 

GOM mbH
Mittelweg 7-8
38106 Braunschweig
Deutschland
Tel.:+49 531 390 29 0
Fax.:+49 531 390 29 15
info@gom.com
www.gom.com
 
KontaktImpressum