Industrielle 3D-Messtechnik

GOM
 
3D-Koordinatenmesstechnik | Rapid Manufacturing | Rapid Prototyping
Rapid Prototyping 
  
Reproduktion von Kunstgegenständen mit in Rapid Prototyping Systemen 
ATOS
 
Messsysteme: ATOS
 
Keywords: Rapid Protoyping, STL-Daten, Reproduktion
 
Die Automobilindustrie war die treibende Kraft für die Entwicklung von Digitalisiersystemen. Aus dem manuell gefertigten Design-Modell wird durch Digitalisieren und Reverse Engineering ein CAD-Datensatz erstellt, der dann als Master für die Produktion eingesetzt wird.

Digitalisiersysteme werden heute auch für viele weitere Märkte und Produkte eingesetzt, so zum Beispiel für die Qualitätskontrolle, die Dokumentation, die Produktentwicklung und die direkte Reproduktion.

Die digitalisierten Daten im STL-Format können direkt in RP-Systeme (Rapid Prototyping) und in Flächenrückführungsprogramme, aber auch in immer mehr CAM-Systeme und Inspektionsprogramme eingelesen werden. Dank dieser Vorgehensweise kann man RP-Modelle herstellen, CAD-Daten aufbauen oder CNC-Maschinen ansteuern. Es können aber auch die Formabweichungen der Produkte erfasst und anschaulich dargestellt werden.

Nachfolgend wird die Digitalisierung und die direkte Reproduktion (Rapid-Prototypen-Modell) von drei Kunstgegenständen gezeigt, die von der Schweizer Künstlerin Beatrice Charen geschaffen wurden. Die Werke wurden mit dem ATOS-System digitalisiert und zu einem STL-Datensatz weiterverarbeitet. Diese Daten wurden der Firma PROFORM AG zugestellt, wo aus den Datensätzen getreue RP-Kopien hergestellt wurden. Die digitalisierten Daten sind mit dem Einverständnis der Künstlerin verfügbar für den "Nachbau" der Kunstwerke.

  
 
Torso

Der Frauentorso (Höhe ca. 150 mm) wurde von Beatrice Charen aus einem weißen Speckstein (indischer Steatit) herausgearbeitet. Die Figur steckt auf einem Chromstahldraht (Durchmesser 3 mm) und wird von einem matten Sockel aus Plexiglas (60x60x40 mm) gehalten.

Digitalisiert wurde das Objekt mit einem ATOS II SO, mit 100x80 mm Messbereich. Der Torso wurde auf einen Drehteller gelegt, auf dem schon einige Referenzpunkte aufgeklebt waren. Mit je zwei Aufnahmen von oben und einer Rundumdigitalisierung mit 10 Aufnahmen unter ca. 50 Grad zur Drehachse, wurde zuerst die Vorder- und danach die Rückseite erfasst. Aus den zwei Messprojekten wurden in ATOS zwei Polygonnetze berechnet, die anschließend zusammengefittet und als ein Datensatz gespeichert wurden.

Dann wurde der Torso auf dem Sockel auf den Drehteller gestellt. Mit einer ersten Aufnahme erfasste man den Unterteil des Torsos mit dem Sockel auf dem Drehteller. Danach wurde der Torso entfernt, der Plexiglassockel mit dem Chromstahldraht leicht eingesprüht und digitalisiert.

Nach der Definition des Koordinatensystems basierend auf den Sockeldaten wurden die Torsodaten in die Daten der ersten Aufnahme der Sockeldigitalisierung eingeschwenkt, damit auch diese im entsprechenden Koordinatensystem vorhanden sind. Dann wurden die Daten des Sockels abgeschnitten und diejenigen des Chromstahldrahtes invertiert, so dass die Außenfläche nach innen zeigte. Diese Daten wurden mit den Torsodaten verbunden, damit der RP-Torso auf den bestehenden Chromstahldraht im Sockel passte.
Da die Figur keine scharfen Kanten aufwies und auch die Bearbeitungsspuren nicht gezeigt werden sollten, konnten die Daten stark reduziert und ausgedünnt werden. Einzig das Künstlerlogo "CB" sollte im ausgegebenen STL-Datensatz noch sichtbar bleiben. Die Digitalisierung dieser Figur und die Nachbearbeitung der Daten zu einem ausgedünnten STL-Datensatz wurden komplett in ATOS vorgenommen und dauerten weniger als je 30 Minuten.

Die Reproduktion des Torsos im Maßstab 1:1 erfolgte durch die Firma PROFORM AG. Die GOM STL-Daten wurden mit der Insight Software V3.4 von Stratasys aufgearbeitet, beinhaltend die Erzeugung einer minimalen Stützstruktur und der Berechnung der individuellen Schichten und Materialbahnen. Um die Materialmenge und damit auch die Bauzeit zu reduzieren, wurde der so genannte "Sparse Mode" gewählt, bei dem die Oberfläche des Torsos aus einer kompakten Haut von 1,5 mm Dicke und das innere Volumen aus einer leichten Hatch-Struktur besteht. Anschließend wurde das Modell auf einer FDM-Titan-Anlage von Stratasys wie folgt gebaut:

 
Original-Torso auf PlexiglassockelFDM erzeugter Torso
Abb. 1: Original-Torso auf Plexiglassockel (Animation)Abb. 2: Mit FDM erzeugter Torso, aufgesetzt auf einem Chromstahldraht und dem Originalsockel. (Animation)
 
Verfahren: Fused Deposition Modeling (FDM)
Material:Polycarbonat: seidenmatt glänzend
Schichtdicke:0,178 mm, Düse T12
Bauzeit:ca. 8 Stunden
 
Das oben beschriebene Reproduktionsverfahren erzeugt eine mechanisch stabile und sehr leichte, seidenmatt glänzende Kopie, mit leicht "riefeliger" Oberfläche. Die ersten Schichten erzeugen eine leicht reduzierte Oberflächenqualität und auch im Teil selber sind kleine Unregelmäßigkeiten sichtbar, herrührend vom An- und Absetzen des Materialauftrages.
  
 
Meteorfisch

Der Meteorfisch (Länge ca. 170 mm) wurde von Beatrice Charen aus einem unregelmäßig braun gemaserten Speckstein aus Swaziland (Südafrika) herausgearbeitet. Er wird von einem Chromstahldraht (Durchmesser 2,5 mm) in luftiger Höhe gehalten. Als Sockel dient ein dunkelgrün lasierter Speckstein (60x50x40 mm) aus dem Gotthardmassiv (Schweiz), in welchen der Chromstahldraht exzentrisch eingesetzt ist.

Digitalisiert wurde der Fisch mit einem ATOS II SO mit einem 135x108 mm Messbereich. Dabei wurde der Chromstahldraht leicht eingesprüht und der Fisch auf eine Drehplatte mit angebrachten Referenzmarken gelegt. Mit drei senkrechten und überlappenden Aufnahmen wurden die Referenzmarken rund um den Fisch erfasst. Dann folgten 13 weitere Aufnahmen in ca. 50 Grad zur Drehachse der Platte, womit die Oberseite bis etwas über die Hälfte des Fisches flächendeckend erfasst werden konnte. Nach dem Umdrehen des Fisches wurde die andere Seite des Objektes digitalisiert. Die beiden Projekte wurden anschließend zu STL-Datennetzen berechnet und zusammengefittet. Dann wurde das Koordinatensystem mit Hilfe des Chromstahldrahtes und der Längsrichtung des Fisches definiert. Das Zylinderloch für die Halterung des Fisches auf dem Draht wurde aus den invertierten und translatorisch in den Fisch geschobenen STL-Daten des Drahtes erzeugt. Danach wurden die beiden STL-Datensätze zusammengenäht, um so einen kompletten STL-Datensatz zu erhalten.

Anschließend wurden die Daten krümmungsabhängig ausgedünnt, so dass die feinen Strukturlinien in der Schwanzflosse erhalten blieben und trotzdem das Datenfile massiv reduziert werden konnte. Die Digitalisierung dieser Figur dauerte ca. eine Stunde. Wenn gewünscht kann die Farbinformation des Objektes nun aus Farbbildern auf die digitalisierten Daten projiziert werden. Diese Farbbilder können mit dem TRITOP-Photogrammetriesystem, bei geeigneter Ausleuchtung des Objektes, aufgenommen werden. Details zur Aufnahme und Darstellung von farbigen STL-Daten finden Sie im Anwendungsbeispiel: Farbige Digitalisierdaten. Die resultierenden farbigen STL-Daten können in einem erweiterten STL-Format (RGB oder BGR) ausgegeben werden.
Nach dem Erzeugen von Stützstruktur und Schichten mittels der Lightyear Software (3D Systems) wurde der Meteorfisch im Maßstab 1:1 durch PROFORM AG auf einer Stereolithographie - Anlage SLA 250 / 50 der Firma 3D Systems reproduziert.

 
Original-Meteorfisch, mit Haltedraht und SockelStereolithographie erzeugter Fisch
Abb. 3: Original-Meteorfisch, mit Haltedraht und Sockel (Animation)Abb. 4: Mit Stereolithographie erzeugter Fisch, aufgebaut auf dem Chromstahldraht (Animation)
 
Verfahren: Stereolithographie
Material:Epoxy SOMOS DSM 9110: leicht gelblich, durch die ganz fein gerippte Oberfläche leicht matt durchsichtig
Schichtdicke:0,075 mm
Bauzeit:ca. 14 Stunden, Bau der Figur in der abgebildeten Lage
 
Dieses Verfahren erzeugt eine halbdurchsichtige, sehr fein gearbeitete Kopie, die mit allen Formdetails exakt dem Original nachgebildet ist.
  
 
Kerzenpodest

Das Kerzenpodest mit springenden Delfinen (ca. 250x200x200 mm) wurde von der Künstlerin aus Ton modelliert, oben in der Kerzenaufnahme glasiert und sonst roh belassen und gebrannt.

Reproduziert wurde das Kerzenpodest im Maßstab 1:4 durch PROFOM AG auf einer Viper si 2 von 3D Systems. Weil die Erzeugung einer maßgeschneiderten Stützkonstruktion anhand des 150 MB Files sehr zeitraubend und rechenintensiv ist, wurde ein Hilfsmodell mit einer ca. 4 mal kleineren Facettenzahl erzeugt und dieses nochmals in 4 Partien unterteilt, damit das Editieren der zahlreichen Stützelemente schneller vor sich ging. Um das massive Volumen (und die Bauzeit) zu reduzieren, wurde die zentrale Partie des Originalmodells mit einem einfachen Polyheder ausgehöhlt und nur eine etwa 2 mm dicke Haut (im 1:4 Modell) belassen, die jedoch alle relevanten Details der Sichtseite enthielt. Anschließend wurde die maßgeschneiderte Stützstruktur mit dem ausgehöhlten Originalmodell kombiniert und die Schichten für den Bauprozess berechnet.

 
Original-KerzenpodestRP-Teil auf dem Original
Abb. 5: Original-Kerzenpodest (Animation). Im rechten Bild ist das RP-Teil auf dem Original zu sehen. Am RP-Teil sind auch die kleinsten Details und Unregelmäßigkeiten des Originals exakt reproduziert.
 
Verfahren: Stereolithographie (hochauflösend)
Material:Epoxy Accura Amethyst (RPC Ltd.), dunkelviolett, durchscheinend
Schichtdicke:0,05 mm
Bauzeit:ca. 30 Stunden, in aufrechter Baulage
 
Dieses hochauflösende Verfahren ist optimal geeignet für kleine Bauteile mit exakten Details. Aus dem Kerzenständer ist ein sehr fein gearbeiteter Schmuckständer geworden.
  
 
Es zeigte sich, dass sich die von ATOS digitalisierten und aufbereiteten Daten problemlos in RP-Softwareprogramme einladen lassen und dass einfache Teile problemlos gebaut werden können. Detaillierte Teile können detailgetreu, mit hoher Datendichte, einfach und schnell erfasst werden. Diese Datensätze können in ATOS auch krümmungsbasiert ausdünnt, geglättet und nachbearbeitet werden.

Die Kunstgegenstände sind Werke von:

Beatrice Charen
Luzernerstrasse 4
CH-5040 Schöftland (Schweiz)
Tel: +41 62-721 58 73
Fax: +41 62-721 53 83
Email: speckstein-atelier@bluewin.ch


Die RP-Teile wurden erstellt von:

Proform AG
Rapid Prototyping
Dr. Paul Bernhard
Route de Chésalles 60
CH-1723 Marly 1 (Schweiz)
Tel: +41 26-436 43 83
Fax: +41 26-436 43 29
Email: proform@proform.ch


Die digitalisierten Daten sind als STL (binary) und als mit Materialise gezippte (stlzip2) Datenfiles zum Download auf unserem FTP server verfügbar:

 
digitalisierte Daten
Abb. 6: Ansicht der digitalisierten Daten. (Animation)
 
STL binaryMaterialise zipped
Torso:torso.stl (15 MB)torso.mgx (1.3 MB)
Meteorfisch:meteor_fish.stl (55 MB)meteor_fish.mgx (4 MB)
Kerzenpodest, ausgedünnt:dolphine_red.stl (150 MB)dolphine_red.mgx (10 MB)
Kerzenpodest, dicht:dolphine_dense.stl (240 MB)dolphine_dense.mgx (16 MB)
 
Wir möchten Beatrice Charen und PROFORM herzlich danken für ihre Kooperation bei diesem Projekt.
  
 

GOM mbH
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